Freitag, 27. Februar 2015

"Hinkley Point C" - alle Bedenken ausgeräumt?

Atomkraft? Nein Danke!In einem Newsletter vom 26.02.2015 informieren die "Elektrizitätswerke Schönau" (EWS) über den Inhalt zweier geleakter Dokumente, aus denen hervorgeht, dass die EU-Kommission ein millionenschweres Atom-Förderprogramm plant.

Demnach übt Großbritannien gerade massiven Druck aus, um seine Pläne für den AKW-Neubau "Hinkley Point" durchzusetzen. Aus einem geheimen Dokument der österreichischen Botschaft in London gehe hervor, dass die britische Regierung mit harten Bandagen um ihr neues Atomprojekt kämpft. Mit massiven Drohungen setze sie die Regierung Österreichs unter Druck, weil diese gegen die Subventionen für das Atomkraftwerk vor den Europäischen Gerichtshof ziehen will.

Aus einem zweiten geleakten Papier werde deutlich, dass Hinkley Point nur ein Baustein der umfangreichen europäischen Atompläne ist: In ihrem neuen Energiekonzept lobe die EU-Kommission die Atomenergie als klimafreundliche Technologie und stellt weitere Förderungen in Aussicht. Außerdem meint die EU-Kommission, mit dem Ausbau der Atomenergie könne sie Europa unabhängiger von Energieimporten machen. (EWS, Kampagnen-News, Eintrag vom 26.02.2015, "Comeback der Atomenergie").


E-Mail Kampagne

Inzwischen haben sich mehr als 56.000 Bürger der Beschwerde der EWS gegen die Subventionen für den AKW-Neubau "Hinkley Point C" angeschlossen.

Wie es im Newsletter der EWS heißt, reagiert die EU-Kommission auf einige dieser Beschwerden offenbar in standardisierten Briefen mit dem Hinweis, dass man die Subventionsbedingungen gegenüber dem ursprünglichen Antrag Großbritanniens bereits korrigiert habe und somit sicher alle Bedenken ausgeräumt seien.

Aha:
Sollen damit dann nach Ansicht der EU-Kommission auch gleich das erhöhte Risiko eines Super-GAUs mitten in Europa und das ohnehin schon unlösbare Problem der sicheren Lagerung der weiter wachsenden hochradioaktiven Atommüllberge über viele Millionen Jahre hinweg "ausgeräumt" sein? Immerhin soll es - wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht - nach "Hinkley-Point C" ja erst richtig losgehen mit der Verlängerung von Betriebsgenehmigungen für existierende und den Neubau neuer Atomreaktoren.

Und was ist mit der radioaktiven Kontamination in den Uran-Abbaugebieten in anderen Teilen der Welt? Sind die dann etwa auch "ausgeräumt"? Zu "in anderen Teilen der Welt" wäre in diesem Zusammenhang noch anzumerken, dass seit dem Ende für den Uranbergbau der SDAG "Wismut" in Sachsen und Thüringen in der EU nur noch in Tschechien und Rumänien Uran abgebaut wird (229 bzw. 77 Tonnen pro Jahr).

Angesichts des gigantischen Bedarfs der Atomkraftwerke in Europa sind diese rund 300 Tonnen jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 14 der 28 EU-Mitgliedsstaaten betreiben 131 Atomreaktoren. Das enspricht etwa einem Drittel der weltweit betriebenen Reaktoren. Im Jahre 2010 benötigte alleine Frankreich 8.992 Tonnen Uran für die Versorgung seiner 58 Atomreaktoren. Der weitaus größte Teil muss deshalb importiert werden: Im Wesentlichen aus Australien, Kasachstan, Kanada oder Namibia (Österreichisches Ökologie Institut - "Uranabbau in und für Europa", Seite 16).

Atomkraft macht Europa also unabhängig von Energieimporten?

  • Ich denke, die EU-Kommission will uns wohl für dumm verkaufen!

Damit die EU-Kommission merkt, dass ihr das nicht in jedem Falle gelingt, würde ich es begrüßen, wenn sich noch viel mehr Menschen der Beschwerde der EWS gegen die Subventionen für den AKW-Neubau "Hinkley Point C" anschließen würden. Die EWS stellen dafür auf ihrer Internetseite ein E-Mail Formular mit einem vorgefertigten Text zur Verfügung. Der Text kann so, wie er ist, übernommen und abgeschickt, oder aber auch individuell geändert oder/und ergänzt werden.
Hier geht es zum Online-Formular auf der Internetseite der EWS ...


Schlussbemerkung
.. Die Nutzung der Nuklearenergie müsse "eben sicher sein", und man müsse "schauen, was mit den Kernabfällen, mit der Entsorgung passiert". EU-Kommissionsvize Sefcovic kündigte an, dass er noch heuer "einen illustrativen Ausbauplan" für AKWs in Europa vorlegen wird." ..

Dieses Zitat aus dem "Standard" vom 25.02.2015 bezieht sich auf Äußerungen Herrn Cañetes (EU-Kommission, Energiekommissar). Es veranschaulicht die erschreckende Ignoranz - oder ist es gar Naivität? - Herrn Cañetes gegenüber den Gefahren der Atomkraft.

"Schau'n wir mal, was später mit dem Atommüll passiert" ist der Grund für das unlösbare Desaster, mit dem wir uns bereits heute konfrontiert sehen. Drei Generationen Wendländer oder der "Asse-II Koordinationskreis" können ein Lied davon singen. Und Zauberformeln wie "Die Nutzung der Atomenergie muss eben sicher sein" haben die Welt weder vor "Tschernobyl" noch vor "Fukushima" bewahren können!



Zum Weiterlesen
  • Michael Beleites

    "Altlast Wismut"
    Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das
    Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau
  • juwi's welt

    Trotz "Atomausstieg":
    Deutsches JA zu AKW-Neubau


(Quellen: Newsletter der EWS vom 26.02.2015, Der Standard vom 25.02.2015, EWS - Kampagnen-News, Österreichisches Ökologie Institut, contrAtom vom 14.08.2013, Wikipedia)

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