Donnerstag, 24. Dezember 2015

Ein Flüchtlingskind

Die kurze Zeit des Glücks in der Krippe: Auch Jesus war ein Flüchtlingskind

Heute Abend, in der heiligen Nacht, feiern die Christen die Geburt des Kindes, das vor mehr als 2000 Jahren in einem Stall bei Bethlehem zur Welt kam. Damit ist die Geschichte jedoch noch längst nicht zu Ende.

Viele derjenigen, die vorgeben die Werte des Christentums zu verteidigen, vergessen das leider allzu oft - oder sie wissen es nicht besser, weil sie die Bibel vielleicht eher vom Höhrensagen kennen:
Schon bald nach der Geburt ihres Kindes waren die Eltern mit ihrem kleinen Jesus auf der Flucht vor den Schergen des Königs Herodes, die auf dessen Befehl hin alle Kinder umbrachten, die um die gleiche Zeit herum geboren worden waren. Herodes hatte Angst vor einem kleinen Kind namens Jesus, das der christlichen Bibel zufolge den Menschen als der neu geborene König der Juden verkündet worden war ...

Wäre Jesus nicht vor mehr als zweitausend Jahren in Bethlehem, sondern in der heutigen Zeit in Homs oder in Aleppo zur Welt gekommen und wären seine Eltern mit ihm nicht vor Herodes und seiner Mörderbande nach Ägypten, sondern vor den Terrormilizen des IS zu uns nach Deutschland geflohen - wer weiß: Vielleicht wären das kleine "Jesuskind" und seine Eltern dann einem Brandanschlag rechtsextremer Fanatiker auf eine Flüchtlingsunterkunft zum Opfer gefallen - und nie hätte irgend jemand auch nur das Geringste über seine Existenz erfahren ...


Was sind uns die Werte und die Kultur des "christlichen Abendlandes" wert, wenn wir sie nicht leben? Gerade wenn es darauf ankommt, denen Hilfe zu leisten, die auf der Flucht sind vor Krieg und Verfolgung?

Welchen Stellenwert haben die christlichen Werte für diejenigen, die sie sich auf ihre Fahnen geschrieben haben - oder die sie in den Namen ihrer Parteien tragen?

Haben die Politiker in den Regierungen der östlichen Mitgliedsländer der EU schon vergessen, was sie der Solidarität der "alten" EU-Länder zu verdanken haben? Wie steht es jetzt im Gegenzug um ihre Solidarität mit den "alten" EU-Ländern, die sie um ihre Unterstützung und Hilfe bei der Unterbringung der in Not geratenen Menschen aus den Kriegsgebieten in Syrien oder dem Irak bitten? Was würde wohl der polnische Papst "Johannes Paul II." sagen, wenn er die Zurückweisung der Flüchtlinge durch die heutige Regierung Polens noch erlebt hätte?

Was verteidigen die Anhänger von Pegida und Co. wirklich, wenn sie gegen die Hilfesuchenden hetzen? Die Werte des christlichen Abendlandes jedenfalls nicht. Denn würden sie entsprechend christlicher Wertvorstellungen handeln, dann würden sie die notleidenden Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten und den anderen Krisenherden dieser Welt mit offenen Armen aufnehmen, anstatt sie zurückzuweisen.
Wenn die Aktivisten vom äußerten rechten Rand der Gesellschaft und diejenigen, die ihnen hinterherlaufen, wie in diesen Tagen in Dresden geschehen, zu Tausenden ihre ausländerfeindlichen Parolen zum besten geben, gegen die Kirchen hetzen und das dann auch noch mit dem "Absingen christlicher Weihnachtslieder" garnieren, dann wissen sie nicht, was sie tun - oder sie treten die grundlegenden christlichen Werte bewusst mit Füßen.

Trotz alledem

Ich wünsche allen, die heute und in der Zeit "zwischen den Jahren" hier vorbeischauen, ein Frohes Fest und ein friedvolles neues Jahr 2016.

Und uns allen in den Ländern des "christlichen Abendlandes" wünsche ich, dass der Friede, den der Gott der Juden, der Christen und der Muslime den Menschen mit der Geburt Jesu verkündet hat, die Kälte in den den Herzen vieler unserer Mitmenschen verdrängen wird. - Dann bestünde wirklich die Chance, dass Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) Recht behält, wenn sie sagt: "Wir schaffen das."


(Quelle: Tagesspiegel vom 22.12.2015, Wikipedia )

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