Freitag, 8. Februar 2013

Dieses Mädchen ist unglaublich

Malala Yousufzai im Februar 2013 (© Der Spiegel)

Viele Kinder gehen sicherlich gerne in die Schule, sind wissbegierig und freuen sich darauf, wenn sie immer wieder etwas neues dazulernen können. Immer wieder berichten die Medien in Deutschland aber auch über notorische Schulschwänzer. Für andere Kinder ist Schule eine lästige Pflicht und wird daher oftmals als lästige Unterbrechung der Schulferien angesehen.

Die Bandbreite reicht hier sicherlich von "Null Bock auf Schule" bis, gegen Ende der Ferien, "gut, dass die Schule bald wieder losgeht". Wie die Verteilung dazwischen aussieht kann ich allerdings nicht beurteilen.

Sicher ist aber auch, dass "Schule" und "Bildung" in manchen Ländern auch heute noch Fremdwörter sind. In anderen Gegenden der Welt wird großen Teilen der Bevölkerung aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse oder des Machtanspruchs religiöser Fanatiker der Zugang zum Bildungssystem verwehrt. Nur unwissende Menschen sind in den Augen der Machthaber "Gute Bürger" und "Gute Gläubige", denn sie stellen keine lästigen Fragen, stellen ihre Lebensumstände nicht in Frage und haben noch nie etwas von grundlegenden Menschenrechten gehört. Bildung ist ein solches Menschenrecht (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 26).

Unter anderem auch im pakistanischen Swat-Tal, das seit 2007 unter dem Einfluss einer islamistischen Terrororganisation steht, wird Menschen aufgrund ihres Geschlechts die Schulbildung verwehrt. Mit ihrem Attentat am 9. Oktober 2012 erreichten die Terroristen allerdings das Gegenteil von dem, was sie eigentlich beabsichtigt hatten. Der Spiegel schilderte den Vorfall in einem Artikel vom 09.10.2012 so (Zitat):
"Die Schule war aus, die Mädchen hatten sich gerade in den Minibus gequetscht, als zwei Uniformierte an den Wagen herantraten. Einer von ihnen fragte, wer von ihnen Malala Yousufzai sei. Die Schülerinnen zögerten mit der Antwort. Die beiden Männer zogen daraufhin ihre Waffen und schossen auf den Wagen. So beschreiben es Augenzeugen. Die Uniformierten trafen die 14-Jährige, auf die sie es abgesehen hatten, in Hals und Kopf, außerdem eine weitere Mitschülerin. Anschließend entkamen die Täter."

Als Malala Yousufzai elf Jahre alt war, hatte sie in ihrem Blog über Gewalttaten der Pakistanischen Taliban im Swat-Tal berichtet, die nach ihrer Machtübernahme im vorangegengenen Jahr Mädchen von der Schulbildung ausgeschlossen und das Hören von Musik verboten hatten. Malalla setzte sich für das Recht der Mädchen in ihrer Heimat auf Bildung ein. Die Medien wurden auf ihre Aktivitäten aufmerksam und ließen sie in Dokumentationen zu Wort kommen. Für ihren Einsatz für das Recht auf Bildung für Mädchen erhielt sie im Jahre 2011 den Friedenspreis der pakistanischen Regierung.

Da sie keine Unbekannte mehr war, verbreitete sich die Nachricht über das Attentat auf Malalla in Pakistan innerhalb kürzester Zeit. Fünf Tage nach den Schüssen auf das Mädchen gingen in Karatschi zehntausende Menschen auf die Straße und demonstrierten ihre Solidarität für Malala. Das Mädchen hatte das Attentat der Terroristen schwerverletzt überlebt. Eine Woche nach dem Anschlag äußerten sich die Ärzte im Militärkrankenhaus von Rawalpindi zufrieden. Malalla sei von den besten Ärzten, die das Militär zu bieten habe, sowie von einem britischen Ärztepaar versorgt worden. Malalas Zustand sei stabil. Zur weiteren Behandlung wurde sie in ein Krankenhaus in England ausgeflogen.

Die islamistischen Fanatiker versuchten ihren Anschlag auf das vierzehnjährige Mädchen zu rechtfertigen. Sie sei eine Spionin des Westens. Der Islam befehle den Tod für Spione des Feindes. Man habe sie umbringen wollen, weil sie sich gegen die Taliban ausgesprochen habe, während sie mit schamlosen Fremden zusammengesessen und den größten Feind des Islam verherrlicht habe.
  • Das muss man sich einmal vorstellen:
    Bis an die Zähne bewaffnete islamistische Terroristen fühlen sich von den einfachen Worten eines jungen Mädchens derart bedroht, dass sie es umbringen wollen! 

Aufgrund ihrer Berichterstattung über Malallas Eintreten für das Recht auf Bildung für Mädchen und das auf sie verübte, glücklicherweise aber fehlgeschlagene Attentat, stehen auch Journalisten auf der Todesliste der pakistanischen Taliban. Das geht einem Bericht des Spiegel vom 18.10.2012 über ein abgehörtes Telefongespräch hervor. Demzufolge hat Hakimullah Mehsud (Tehrik-i-Taliban Pakistan [TTP], Anführer) seine Kämpfer angewiesen, gezielt Reporter anzugreifen, die kritisch über die Taliban und ihr Attentat auf Malala Yousufzai berichtet haben.

Am 04.02.2012 berichtete der Spiegel über ein am gleichen Tag veröffentlichtes pakistanisches Video, in dem Malala Yousufzai von den Fortschritten ihrer Genesung berichtet (Zitat): "Ich kann sprechen, ich kann euch sehen, ich kann alle sehen, und es geht mir Tag für Tag besser." Ihre Genesung habe sie zahlreichen Gebeten zu verdanken. "Wegen all dieser Gebete hat Gott mir ein neues, ein zweites Leben geschenkt." Malalla habe in dem Video auch angekündigt, dass sie sich weiterhin für das Recht auf Bildung für Mädchen in ihrer Heimat einsetzen wird.

Wie der Spiegel weiter berichtet, gehen die britischen Ärzte nach zwei erfolgreich verlaufenen Operationen davon aus, dass die inzwischen fünfzehnjährige Malalla keine weitere Operation benötigt.


Dieses Mädchen ist unglaublich

Nachdem sie den beinahe tödlich verlaufenden Terroranschlag mit viel Glück überlebt hat und gerade erst auf dem Weg zur vollständigen Genesung ist, bedankt sie sich bei den Menschen, die für sie gebetet haben und erklärt sie vor der Kamera schlicht und einfach, dass sie trotz der weiterhin bestehenden Bedrohung ihres Lebens durch die radikalen Islamisten weiterhin zu dem steht, wofür sie auch bisher schon öffentlich eingetreten ist.

Sehr viele Menschen haben sich während der letzten Wochen weltweit mit Petitionen dafür eingesetzt, dass Malala Yousufzai für ihren friedlichen aber in ihrer Heimat lebensgefährlichen Einsatz für grundlegende Menschenrechte in ihrer Heimat für den Friedensnobelpreis nominiert wird. Die Bitte all dieser Menschen wurde erhört: Am 01.02.2012 ist Malala Yousufzai für den Friedensnobelpreis nominiert worden.

Es wäre ein starkes Signal gegen die sinnlose, brutale Gewalt, die vom internationalen Terrorismus ausgeht, wenn Malala Yousufzai in die engere Auswahl für den Friedensnobelpreis käme.


(Quellen: Frankfurter Rundschau vom 06.02.2013, Spiegel vom 09.10.2012, 14.10.2012, 15.10.2012, 16.10.2012, 18.10.2012 und 04.02.2013, Die Zeit vom 01.02.2013, Die Standard vom 01.02.2013, Süddeutsche Zeitung vom 11.10.2012, RP-Online vom 20.06.2011, Change.org, Wikipedia, Amnesty International)

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