Mittwoch, 30. Januar 2013

Das stille Sterben der Bienen geht weiter

Neonikotinoide, eine Gruppe vom Insektiziden, stehen im begründeten Verdacht, zum inzwischen besorgniserregenden Massensterben von Bienenvölkern beizutragen. Bereits vor zwei Jahren wurde in den USA und in der EU über ein Verbot dieser Gifte debattiert.

Mit Debatten lässt sich das fortgesetzte weltweite stille Sterben der Bienen natürlich nicht aufhalten. Es geht also darum dass dem Gerede endlich auch Taten folgen. In Frankreich, Italien, Slowenien und Deutschland ist man diesbezüglich schon weiter: Dort ist eines dieser Neonikotinoide bereits verboten. Einer Information des internationalen demokratischen Netzwerks AVAAZ zufolge ist seitdem bei einigen Bienenvölker schon eine Besserung eingetreten.

Honigbienen und ihre wildlebenden Verwandten bestäuben AVAAZ zufolge weltweit neunzig Prozent der Blütenpflanzen, zu denen auch ein Großteil unserer Nahrungspflanzen gehört. Gäbe es keine Bienen mehr, dann wäre das auch das Ende von Äpfeln, Kartoffeln, Kirschen, Gurken, Kohlrabi und all den anderen Obst- und Gemüsesorten und somit eine gefährliche Bedrohung unserer eigenen Existenzgrundlage: Diese Nahrungsmittel haben in vielen Ländern einen Anteil von mehr als einem Drittel an der Lebensmittelversorgung.

Manche Leute verstehen eine existenzielle Bedrohung ja erst dann, wenn es ums Geld geht. AVAAZ schreibt in einer E-Mail an den Verteiler des Netzwerks, die von den Bienen bestäubten Nahrungspflanzen hätten einen geschätzten Wert von jährlich vierzig Milliarden US-Dollar. - Wobei allerdings zu bedenken wäre, dass man Geld nicht essen kann ...

Aufgrund der Ergebnisse einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Untersuchung hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) kürzlich vor drei Insektiziden gewarnt, die tödlich für die Bienen sind. Dabei handelt es um die Neonikotinoide "Clothianidin", "Imidacloprid" und "Thiamethoxam" der Hersteller Bayer und Syngenta. Beides sind multinationale Konzerne, deren Lobbys auf politischer Ebene alles dafür unternehmen werden, einem Verbot ihrer "Pflanzenschutz"-Gifte entgegenzuwirken. - Fragt sich nur, welche Pflanzen sie denn noch schützen wollen, wenn es eines Tages keine Bienen mehr gäbe und Obst, Gemüse und alle anderen Blütenpflanzen von unserem Planeten verschwunden wären ...

AVAAZ schreibt in seiner E-Mail an das Netzwerk (Zitat): "Mitglieder des Europaparlaments erhöhen den Druck auf die Europäische Kommission und auf wichtige Regierungen, um ein neues gesetzliches Verbot dieser tödlichen Pestizide voranzutreiben.", und hat eine internationale Petition initiiert, um ihnen die öffentliche Rückendeckung zu geben, die sie benötigen, um der mächtigen Chemie-Lobby die Stirn zu bieten. Deutlich mehr als 2,3 Millionen Mitzeichner der Petition innerhalb von nur drei Tagen würde ich schon mal als eine beeindruckende Rückendeckung bezeichnen.

Die Petition hat folgenden Wortlaut:
An Entscheidungsträger in der EU und der USA:

Wir rufen sie dazu auf, die Verwendung von Pestiziden der Gruppe der Neonicotinoide zu verbieten, solange deren Sicherheit nicht durch unabhängige, wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen ist. Das katastrophale Bienensterben könnte unsere gesamte Nahrungskette in Gefahr bringen. Wenn sie nun umgehend die nötigen Vorkehrungen treffen, können die Bienen vor dem Aussterben bewahrt werden.




Zum Weiterlesen:



(Quellen: Spiegel vom 16.01.2013, Deutschlandradio vom 24.04.2012, Imker-Demo.de, Bulletin of Insectology von 2010 [engl.])

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