Mittwoch, 28. Dezember 2016

Mit Kohle und Atomkraft gegen die Energiewende

Wenn man einmal nachrechnet, kommt man zu dem Ergebnis, dass mindestens noch vier Atomkraftwerke zuviel in Betrieb sind und dass die restlichen vier nur deshalb noch Atommüll produzieren, weil die Bunderegierung nichts unversucht lässt, um die Energiewende immer weiter auszubremsen.

In Deutschland lag die Bruttostromerzeugung Jahre 2015 bei 646 Terrawattstunden (TWh). Daran waren die acht in Deutschland noch betriebenen Atomkraftwerke mit 92 TWh beteiligt. Das entspricht einem Anteil von 14,2 Prozent an der gesamten Bruttostromerzeugung in Deutschland.

Deutschland erzielte im gleichen Zeitraum einen Stromexportüberschuss in Höhe von 50 TWh. 7,7 Prozent des hierzulande erzeugten Stroms wurde somit also "am Bedarf vorbei" produziert. Das ist ein neuer Rekord. Rein rechnerisch hätte man daher vier Atomkraftwerke abschalten können. Der Stromexportüberschuss hätte dann immer noch bei rund 310 Megawattstunden (MWh) gelegen.

340 TWh der Bruttostromerzeugung im Jahre 2015 kamen weiterhin aus mit fossilen Energieträgern befeuerten Großkraftwerken, deren Anteil mit 52,6 Prozent an der gesamten Bruttostromerzeugung knapp über der Hälfte lag. Im November 2015 waren in Deutschland 148 Stein- und Braunkohlekraftwerke in Betrieb. Alternativ zur Stilllegung von 4 Atomkraftwerken hätte man auch die Kohleverstromung um die Leistung von etwa 14 Kohlekraftwerken reduzieren können. Dann wären (rechnerisch) immer noch 134 Kohlekraftwerke zuviel in Betrieb gewesen die weiterhin zur Beschleunigung des Klimawandels und der globalen Erwärmung beitragen.
Darüber nachzudenken, ob es besser wäre, zuerst die Atomkraftwerke oder zuerst die fossil befeuerten Kraftwerke außer Betrieb zu nehmen, kommt der Überlegung gleich, ob es besser wäre, zuerst den Teufel oder vielleicht doch lieber zuerst den Belzebub auszutreiben. Der Eine lässt den ohnehin schon nicht mehr zu handhabenden Atommüllberg noch weiter ansteigen und könnte uns in den kommenden sechs Jahren einen jederzeit möglichen atomaren Super-GAU bescheren. Der Andere wird - wenn sich energiepolitisch nicht doch noch entscheidendes ändert - direkt in die Klimakatastrophe führen.

In jedem Fall werden die drei letzten und die aktuell auf der Erde lebenden Generationen die folgenden Generationen mit unlösbaren Problemen und veränderten Lebensbedingungen konfrontieren und ihnen Schäden am Klima- und Ökosystem des Planeten hinterlassen, wie sie in der Geschichte der Menschheit beispiellos sind.

Die Bruttostromerzeugung aus regenerativen Energiequellen betrug 187 TWh, was einem Anteil von 29,0 Prozent entspricht.


Strommix in Deutschland (Bruttostromerzeugung)


Wenn man den Zuwachs der Erneuerbaren Energien während der vergangenen 10 Jahre betrachtet, dann kann man sich gut vorstellen, welche Zuwachsraten innerhalb kurzer Zeit eigentlich noch möglich wären - wenn es da nicht gewisse Politiker gäbe, die gemeinsame Sache mit den Kohle-, Atom- und Automobilkonzernen machen würden. Angenommen, die Energiewende wäre in den vergangenen Jahren seitens der Bundesregierung nicht dermaßen künstlich ausgebremst worden, dann könnten wir inzwischen gut auf die noch verbliebenen acht Atomkraftwerke verzichten und die Nutzung fossiler Energieträger wäre spätestens nach Ablauf der kommenden 33 Jahre Geschichte.

Zu diesem Ergebnis kommen auch zwei verschiedene Modellstudien aus dem Jahre 2011, die von den Umweltschutzorganisationen BUND und Greenpeace veröffentlicht worden waren. Beiden Studien zufolge hätte der Atomausstieg bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen sein können. Beginnend mit diesem Jahr hätte man dann im Laufe der kommenden 15 bis 25 Jahre - entsprechend des Zubaus der regenerativen Energieen - nach und nach die fossil befeuerten Großkraftwerke stilllegen können. Spätestens ab 2050 wäre dann die komplette Stromversorgung auf regenerative Energien umgestellt gewesen.

Statt dessen ziehen die Puppenspieler in den Braunkohle-Konzernen an den Fäden, an deren anderm Ende unter anderem auch unser Herr Wirtschaftsminister hängt. In der Folge wird die Braunkohle über einen Zeitraum von sieben Jahren mit je 230 Millionen Euro subventioniert (insgesamt sind das 1,61 Milliarden Euro) - ursprünglich war statt dessen einmal von einer CO2-Abgabe für Braunkohlekraftwerke die Rede gewesen(!) - und für die Braukohlemeiler gibt es Laufzeitgarantien: "Für den Klimaschutz" müssen bis zum Jahr 2020 schrittweise 13 Prozent der deutschen Braunkohle-Kapazitäten stillgelegt werden. Im Umkehrschluss heißt das, 87 Prozent der Kapazitäten dürfen auch darüber hinaus genutzt werden - bisher ohne Befristung! Und anstelle der Klimakiller und der Atommüllfabriken stehen deshalb auch weiterhin immer wieder die klimaneutralen Photovoltaik- und Windkraftanlagen still.

Anstatt zurückzugehen stagnierten die CO2-Emissionen im Verlauf der Jahre 2009 bis 2015 innerhalb einer Bandbreite von 902 bis 945 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (im Mittel waren das 921 Millionen Tonnen pro Jahr). In einer Pressemitteilung vom März 2014 hatte das Umweltbundesamt sogar noch einen Anstieg der Emissionen klimarelevanter Gase festgestellt und als Ursache dafür die CO2-Emissionen aus den Kohlekraftwerken identifiziert (Zitat): "Treibhausgasausstoß im Jahr 2013 erneut um 1,2 Prozent leicht gestiegen: Kohlestrom erhöht die Emissionen – und gefährdet so das nationale Klimaschutzziel".

Laut einer Nahzeitprognose des Umweltbundesamtes vom März 2016 lagen die Emissionen klimarelevanter Gase im Jahre 2015 bei 908 Mio Tonnen Kohlendioxid-Aquivalente. Voraussichtlich werden sich die politisch festgelegten Rahmenbedingungen (Ausbremsung der Energiewende, festhalten an der Braunkohle) in der nächsten Legislaturperiode ab 2017 weder unter einer schwarz-, noch unter einer rot-dominierten Bundesregierung entscheidend ändern. Im günstigsten Fall ist also damit zu rechnen, dass sich die Stagnation der Emissionen klimarelevanter Gase auf annähernd dem gleichen Level fortsetzen wird, wie in den vergangenen sieben Jahren. Daher stellt sich die Frage, wie denn wohl innerhalb der kommenden vier Jahre eine Reduktion um 159 Mio Tonnen Kohlendioxid-Aquivalente realisiert werden soll, wenn das Etappenziel im Jahre 2020 (749 Mio Tonnen Kohlendioxid-Aquivalente) tatsächlich noch erreicht werden soll.

Das darauf folgende "Ziel", welches für das Jahr 2050 angepeilt wird, liegt bei "62,5 bis maximal 250 Mio Tonnen" Kohlendioxid-Aquivalenten. Das ist nach meinem Verständnis kein Ziel, sondern bestenfalls so etwas wie das Anstreben eines mehr oder weniger langen Bremsweges. Und der ist noch mindestens 62,5 Millionen Tonnen von dem Ziel entfernt, das in der Studie von Greenpeace für 2050 definiert ist:
  • Null Gramm CO2!


Atomkraft für Deutschland

Auch die AfD wäre mit ihrem Motto Atomkraft für Deutschland energiepolitisch keine Alternative - und für die Welt schon gar nicht! Ginge es nach den Rechtspopulisten, dann würden die verbliebenen Atomkraftwerke noch bis zum St. Nimmerleinstag in Betrieb bleiben, die Verbrennung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung würde massiv ausgweitet und der Ausbau regenerativer Energiequellen beendet werden. In ihrer Bilanz für den propagierten (kurzfristigen) "wirtschaftlichen Nutzen" der Atomkraft und der Kohleverstromung blendet die AfD - neben den  dafür auch weiterhin notwendigen Subventionen - auch die noch über viele Generationen hinweg zu erwartenden wirtschaftlichen Folgeschäden komplett aus.

In ihrem Grundsatzprogramm hebt die AfD "die positive Wirkung des CO2 auf das Pflanzenwachstum und damit auf die Welternährung" hervor. Je mehr es davon in der Atmosphäre gebe, heißt es weiter, desto kräftiger falle das Pflanzenwachstum aus (Grundsatzprogramm der AfD, Seite 61). Da fragt sich nur, wo all die schönen Nahrungspflanzen denn noch wachsen sollten, wenn sich die Dürre- und Wüstengebiete auf unserem Planeten infolge des CO2-beschleunigten Klimawandels noch weiter in Richtung Norden und Süden ausbreiten würden, mit den tief gelegenen Küstenregionen infolge des steigenden Meeresspiegels gleichzeitig auch fruchtbares Marschenland im Meer versinken und infolge der bereits heute zu beobachtenden Häufung von Extremwetterereignissen der Rest der Ernte vernichtet werden würde.

Davon, wie mit den zunehmenden Strömen der Hungerflüchtlinge aus dem beiderseits des Äquators breiter werdenden Dürregürtel dann zu verfahren wäre, gibt es in den Reihen der AfD bereits heute "spezielle" Vorstellungen: Die vor Not und Hunger fliehenden Menschen werden an den Grenzen zu Deutschland mit Waffengewalt an der Einwanderung in die noch verbliebenen fruchtbaren Regionen der Welt gehindert.

Darüberhinaus hat die AfD offenbar den Knall von "Tschernobyl" (Ukraine, Super-GAU am 26. April 1986) noch nicht gehört. Sie setzt sich deshalb für die Verlängerung der Betriebsgenehmigungen für die in Deutschland noch betriebenen Atomkraftwerke ein, die sie für die sichersten der Welt hält (Grundsatzprogramm der AfD, Seite 65). - Davon, dass die weltsichersten Atomkraftwerke in Japan zu finden sind, waren auch die Japaner immer überzeugt gewesen. Trotzdem ist ihnen ihre Atomkraftanlage "Fukushima Dai'ichi" infolge eines Super-GAUs gleich mehrfach um die Ohren geflogen.

Die Erkenntnis, dass die Atomtechnik im Falle eines Unfalls nicht sicher beherrschbar ist, ihre Risiken nicht kalkulierbar und die imensen Folgen eines jederzeit möglichen Super-GAUs mit irreperablen Schäden für die kommenden Generationen nicht hinnehmbar sind, ist bei der AfD offenbar noch nicht angekommen. - Und der im Falle eines Super-GAUs mitten in Deutschland zu erwartende wirtschaftliche Schaden wäre dabei noch das geringste der zu erwartenden Probleme.


Ein fauler Atomdeal

Aber auch ohne die Segnungen der AfD dürften zum Ende des Jahres 2016 in den Chefetagen der Atomkonzerne die Sektkorken knallen: Mit Beginn des Jahres 2017 enfällt für die Atomkonzerne die Brennelementesteuer. Im Klartext: Bis zum voraussichlichen Ende der Atomkraft in Deutschland schenkt die Bunderegierung den Konzernen rund fünf Milliarden Euro.

Ein weiteres, finanzielles - in der Summe wohl erst über viele Generationen hinweg zu bezifferndes Geschenk - ist der sogenannte Atomdeal: Für 23,6 Milliarden Euro dürfen die Atomkonzerne sich aus der Verantwortung für den von ihnen produzierten Atommüll freikaufen. In den 23,6 Milliarden Euro sind die Rückstellungskosten für den Rückbau der Atomkraftwerke bereits enthalten - die hätten die Atomkonzerne ohnehin zahlen müssen. Darauf aufgeschlagen wurde ein Risikoaufschlag in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro. Der Risikoaufschlag wird als eine Art Notgroschen propagiert: "Falls" die Atommüllentsorgung "teurer werden sollte". Abzüglich des bereits genannten Brennelemente-Steuergeschenks müssen die Atomkonzerne - über ihre bisher angefallenen Verpflichtungen hinaus - nur noch eine Milliarde Euro mehr aufbringen.

Mit den darüber hinausgehenden Verpflichtungen und Kosten werden wir Bürger und Steuerzahler konfrontiert. Der Spiegel schrieb dazu am 27.04.2016 auf seiner Internetseite (Zitat):
.. Das klingt erst einmal nach viel Geld. Aber eben nur so lange, bis man sich die Dimension des Atomausstiegs vor Augen führt: Manche der radioaktiven Trümmer werden Millionen Jahre strahlen und eine Bedrohung für die Gesundheit der Deutschen sein. Ein Endlager für solch hochradioaktive Stoffe muss erst noch gefunden und gebaut werden, und die radioaktiven Reste müssen dort erst noch hingebracht werden.

Die Kostenkalkulationen mancher Experten reichen bis ins Jahr 2099, die finanziellen Unsicherheiten sind gigantisch. Und das nicht nur, weil man technologisch und politisch mit lauter Unbekannten hantiert. Es reicht schon, wenn die Zinsen für die Atomrückstellungen leicht sinken, was angesichts der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als ziemlich wahrscheinlich gilt. Schon dann könnten im Atomausstiegstopf am Ende zig Milliarden fehlen.

Würde es nur danach gehen, was gerecht ist, dann wäre Trittins Vorschlag eine bodenlose Frechheit: Die Energiekonzerne haben mit ihren AKW insgesamt Gewinne im dreistelligen Milliardenbereich eingefahren. Entsprechend müssten eigentlich sie alle Risiken für die Entsorgung des strahlenden Schrotts tragen. Nicht die Steuerzahler. ..

Insbesondere dem letzten Absatz ist nichts weiter hinzuzufügen!


(Quellen: KlimaLounge vom 02.09.2016, Spiegel online vom 27.04.2016, vom 21.04.2016 und vom 31.01.2016, Süddeutsche Zeitung vom 06.02.2016, ARD-Tagesschau vom 19.10.2016 und vom 31.01.2016, Die Zeit vom 30.01.2016, Frankfurter Neue Presse vom 26.10.2015, Studien von Greenpeace und BUND, Kernenergie de, Frauenhofer, BMWi, Umweltbundesamt - Treibhausgas-Emissionen  mit Abbildung 1 und Abbildung 2, Wikipedia, EnergieZukunft )

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