Freitag, 5. Oktober 2012

Englische Gärten in Cornwall

Impressionen aus "Trewidden Garden" und den "Lost Gardens of Heligan"

Wenn wir es darauf angelegt hätten, dann hätten wir wohl gut die Hälfte unseres Aufenthalts in Cornwall mit dem Besuch der dortigen "English Gardens" verbringen können ...

Die meisten dieser Gärten, die eigentlich schon eher Parkanlagen sind, als das, was wir hierzulande unter "Garten" verstehen, sind wohl einmal als Grünanlagen im Bereich englischer Herrschaftshäuser entstanden. Heute werden viele von ihnen vom englischen "National Trust" verwaltet und instand gehalten und sind somit für die Öffentlichkeit zugänglich. Eigentlich müsste man die Gärten im Laufe eines Jahres immer wieder besuchen. Wir konnten leider nur einen flüchtigen, spätsommerlichen Eindruck davon mitbekommen ...


Wir haben uns zwei dieser Gärten angesehen. Der westlich von Penzance gelegene "Trewidden Garden" wurde zu Beginn des achtzehten Jahrhunderts von Thomas Bolitho angelegt und ist bis heute im Besitz der Familie. Der heutige Besitzer, Alverne Bolitho, machte den Garten für für die Öffentlichkeit zugänglich. Besonders beindruckt war ich, als wir plötzlich in einer Umgebung standen, wie man sie von Zeichnungen in Büchern über Dinosaurier kennt, die in aus baumgroßen Farnen bestehenden Wäldern nach Nahrung suchen. Dass es Arten der Baumfarne gibt, die bis heute überlebt haben, hatte ich bis dahin nicht gewusst.

Ein gemeinsames Merkmal "englischer Gärten" ist der von einer Mauer umgebene "Walled Garden" genannte Bereich, in dem früher das Obst, das Gemüse und die Küchenkräuter für die Herrschaften gepflanzt wurden. In "Trewidden Garden" finden einige stählerne Zinn-Schmelztiegel als "Seerosenteich" Verwendung, die so auch an die Zeiten erinnern, als Cornwall das größte Zinnabbaugebiet Europas war. Noch bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts stammte mehr als die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn aus den Minen Cornwalls.


Mit den südlich von St. Austell gelegenen "Lost Gardens of Heligan" hat es eine besondere Bewandnis: Sie wären beinahe im wahrsten Sinne des Wortes verloren gegangen. Die Geschichte der Gartenanlage reicht bis in das zwölfte Jahrhundert zurück. Während der Tudorzeit erwarb die Familie Tremayne das Anwesen mit dem Garten. Im neuzehnten Jahrhundert erlebte die von bis zu 22 Gärtnern gepflegte Anlage ihre Blütezeit.

Während des Ersten Weltkriegs beschlagnahmte die britische Armee das Anwesen und nutzte es als Erholungsheim für Offiziere. Während die Gärtner im Krieg waren, begann der Garten zu verwildern. Als die Familie Tremayne ihr Anwesen 1919 wieder übernahm, fehlten die finanziellen Mittel zur Bezahlung des für den Unterhalt nötigen Personals. Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die Armee das Anwesen dann erneut ...

1970 wurde das Haus als Wohnhaus verkauft. Zwanzig Jahre später gingen die Ländereien, die im Besitz der Familie geblieben waren, als Erbschaft in den Besitz von John Willis - einem Nachkommen der Familie Tremayne - über. Um die gleiche Zeit machte der neue Besitzer von Heligan zufällig die Bekanntschaft mit dem Archäologen und Musikproduzentn Tim Smit und dessen Freund John Nelson, die den hinter noch sichtbaren Relikten aus der Vergangenheit der Gartenanlage verborgenen Schatz englischer Gartenkultur wiederentdeckten. Mit Unterstützung einer Gruppe von Gartenbauspezialisten und vieler Helfer erweckten die drei die beinahe "verloren gegangene" Gartenanlage aus ihrem siebzigjährigen Dornröschenschlaf.

Der Überlieferung zufolge war "Heligan" einmal eine keltische Kultstätte. Daran erinnern heute zwei Skulpturen aus Lehmerde, die von der Künstlerin Susan Hill und ihrem Bruder Pete geschaffen wurden. Die Haare der liegend auf dem Waldboden träumenden "Mud Maid" und ihr Kleid bestehen aus Pflanzen. Auf diese Weise symbolisiert diese Skulptur in besonderer Weise die Erdverbundenheit aus der Mythologie der keltischen Völker. Der Kopf des Riesen, dessen Haarpracht aus Blumen besteht, widerlegt die gängige Darstellung in Märchenbüchern, dass Riesen grundsätzlich Wesen sind, die es zu fürchten gilt. "The Giant's Head" jedenfalls, zeigt ein dermaßen gutmütiges Gesicht, dass man den Riesen, dessen Körper tief in der Erde verborgen ist, einfach gern haben muss.

Eine neuere, abstrakte Skulptur ist die aus verkohltem Holz bestehende "Growth and Decay" (etwa: "Wachsen und Vergehen") des Künstlers James Eddy am Eingang zum "Verlorenen Tal". In meinem Video sind unter anderem die Baumfarne und der "Walled Garden" im "Trewidden Garden" sowie Szenen aus dem "Dschungel" und dem "Verlorenen Tal" der "Lost Gardens of Heligan" und die drei genannten Skulpturen zu sehen.


(Quellen: Trewidden Garden, Lost Gardens of Heligan, Wikipedia)

Kommentare:

Wasserfrau hat gesagt…

Guten Abend Juwi

Klasse Video, fantastisch diese Gärten! Deswegen möchte ich nur allzu gerne nochmals nach Cornwall.

Übrigens hatte ich im Internet entdeckt, dass die Familie bei der ich mit gut 20 Jahren als Au Pair in Südengland arbeitete, zu ihrer Pensionierung in Cornwall ein Haus mit Garten kauften als Altersruhesitz.

Sie hatten im Sinn da ihr Alter ruhig anzugehen und Meer und Landschaft zu geniessen. Dann entdeckten sie auch so einen verlorenen Garten, wie du es beschreibst in deinem Beitrag, und sie entschlossen sich ihn wieder instand zustellen statt sich dem „Dolce far niente“ hinzugeben.

Daraus wurden dann „die Trebah Gardens“, die seit 1987 für die Öffentlichkeit zugänglich sind. http://www.britannienbilder.de/trebah_gardens.shtml

Der Besitzer Major Hibbert, war eine bekannte Grösse im II. Weltkrieges, davon hatte ich damals natürlich keine Ahnung. Was man alles übers Internet erfährt ist schon erstaunlich. Gerade habe ich gelesen, dass die englische Wikipedia ihm eine Seite widmet, er ist jetzt 94-jährig, seine Frau lebt vermutlich nicht mehr.

Danke lieber Juwi für die Berichte über eure Ferien in Cornwall, die ich mit Interesse und Freude verfolge.
Herzliche Grüsse und schönes Wochenende.
Elfe
P.S. Ein Video habe ich noch gefunden http://youtu.be/cMDsg_U8peU

juwi hat gesagt…

@Elfe: Danke für die beiden Links. Ja, Trebah Garden hatte ich auch in die nähere Auswahl gezogen. Die "Lost Gardens of Heligan" waren aber der Favorit der ganzen Familie und für "Trewidden Garden" hatten wir uns entschieden, weil wir Cleo dort mit hineinnehmen durften. In den meisten Gärten ist das Mitführen von Hunden nicht erlaubt. Für den Besuch der "Lost Gardens ..." hatten wir uns deshalb aufgeteilt. An einem Tag blieb meine Frau bei Cleo, und an einem andern kümmerten sich unser Töchter um sie.

juwi hat gesagt…

bezaubernd und oftmals davon gehört, leider noch nicht live gesehen.
jedenfalls hab ich die reiseziele vorerst notiert und hoffe auf eine möglichkeit.
welch ein reichtum verbirgt sich unter dem begriff *englischer garten*!
hier, weil die abfrage nicht funktionierte.
lg kelly

@Kelly: Danke für deinen Eintrag und den Hinweis in meinem Gästebuch. Ich habe deinen Text aus dem Gästebuch als Kommentar zu "Englische Gärten in Cornwall" gespeichert (s.o.). Würdest du mir bitte schreiben, an welcher Stelle und mit welcher Fehlermeldung der Fehler bei der Captcha Abfrage auftritt? | Ich hatte mich entschlossen, die Abfrage wieder zu aktivieren, weil ich keine Lust mehr hatte, Tag für Tag unzählige Benachrichtigungen zu Kommentaren von SPAM-Robotern aus meinem Postfach zu entfernen.

kelly hat gesagt…

hi jürgen,
als profil tippe ich auf name/url gebe brav alle daten ein und gleich werde ich meinen text vorsichtshalber kopieren und dann wird - moment folgende fehlermeldung kommen:
und wieder, grrr...
"Die eingegebenen Zeichen stimmen nicht mit der Sicherheitsabfrage überein. Bitte versuchen Sie es erneut."

juwi hat gesagt…

@Kelly: Diesmal hat es aber funktioniert :) Allerdings passiert es mir auch des öfteren, dass ich die abgebildeten Captchas nicht richtig erkenne. Ich habe mir deshalb angewöhnt, meine Kommentare zuerst in den Editor (Notepad) zu schreiben. Wenn es online schief geht, kann ich immer wieder darauf zurückgreifen.

Niall MacDougall hat gesagt…

Hi Juwi,

das ist ein wirklich schöner und informativer Blog-Beitrag. Trewidden ist einfach herrlich.

Es gibt übrigens noch einen anderen Garten in der Nähe von Penzance - Tremenheere Sculpture Gardens, wo subtropische Pflanzen und zeitgenössische Skulpturen zu sehen sind. Es gibt dort zum Beispiel eine elliptisch gewölbte Kammer unter der Erde, von wo man aus man den Himmel betrachten kann, besonders in der Dämmerung - gibt mal eine ganz andere Perspektive. http://www.urlaubcornwall.de/blog/category/gaerten/

Liebe Grüße aus Cornwall,
Niall

PS. @Elfe, deine Geschichte über Major Hibbert und seine Familie / Trebah finde ich total faszinierend :)

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