Freitag, 29. Mai 2015

Als wolle man selbst darin wohnen ...

Wohnen im "Stadtschloss": Umfassend saniertes Eckhaus in der Rickmersstraße (2013)
Insbesondere während der letzten fünf Jahre hat sich im Goethe-Quartier des Bremerhavener Stadtteils Lehe einiges zum Positiven verändert. Nur findet das leider unter den weiterhin vorherrschenden Negativschlagzeilen der Boulevardpresse keinerlei Beachtung.

Unter anderem auch, um dem in der Öffentlichkeit etwas entgegenzusetzen, hat die "Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe" (ESG-Lehe e.V.) - ein Zusammenschluss im Quartier aktiver Immobilieneigentümer - jetzt ein weiteres ihrer Projekte abgeschlossen. In ihrer druckfrischen Modernisierungsfibel stellt die ESG-Lehe einige Beispiele vor, die aufzeigen, welchen Einfluss Sanierungsprojekte engagierter Eigentümer, die in ihren Immobilien kein reines Spekulationsobjekt sehen, auf das Quartier haben.


Herr Pantke (Sanierung Rickmersstraße) und Herr Uhde (Sanierung Körnerstraße),
hier im Gespräch mit Herrn Janßen (ESG-Lehe, Vorsitzender)

Alle Eigentümer, die in der Modernisiserungsfibel zu Wort kommen und Wohnungen in ihren Häusern vermieten, berichten übereinstimmend, dass sich die Sanierungsanstrengungen positiv auf die Mietauslastung ausgewirkt haben. Sowohl Herr Pantke (Sanierung Rickmersstraße), wie auch Herr Uhde (Sanierung Körnerstraße) empfehlen, Wohnungen so zu sanieren, als wolle man selbst darin wohnen. Dann gäbe es auch keine Probleme, entsprechende Mieter dafür zu finden.

Herr Pantke, dem man während seines Vortrags anmerkte, wie "sein Herz an seinem Haus hängt", ging sogar noch einen Schritt darüber hinaus. Mit Blick auf die detailgetreue Wiederherstellung der Fassade und des Daches - inklusive Turmhäubchen auf dem Eck-Erker - seines Hauses bezog er sich auf Schloss Neuschwanstein, das "Jahr für Jahr Millionen von Besuchern anzieht". Nun - ganz so weit sind wir in Lehe zwar noch nicht, aber wenn man nicht wüsste, dass Herrn Pantkes Haus in Bremerhaven am Rande des Leher Goethe-Quartiers steht, dann könnte man es angesichts des oben abgebildeten Fotos wohl ohne weiteres in einem noblen Viertel in Wien, Hamburg oder München vermuten.


Familien-Projekt: Kauf und Sanierung eines Altbaus in der Körnerstraße (2014)
Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe "Themenabend Altbausanierung" stellte die ESG-Lehe gestern Abend ihre neue Modernisierungsfibel, mit der sie allen Haus- und Wohnungseigentümern Mut machen will, in ihre Immobilien zu investieren, erstmals der Öffentlichkeit vor. Mit mehr als fünfzig Gästen war die Veranstaltung sehr gut besucht. Im Vorwort der Fibel heißt es (Zitat):
"Innerhalb des Goethestraßen-Quartiers ist seit einigen Jahren eine Renaissance spürbar: Die für Bremerhaven einzigartige Gründerzeitarchitektur hat innerhalb der letzten Jahre bereits vielerorts eine bemerkenswerte Aufwertung erfahren. Zahlreiche Häuser wurden durch Fassadensanierung, Wärmedämmung, Dachsanierung oder Balkonerneuerungen auf ein modernes, attraktives Niveau gehoben. Der Gewinn an Lebens- und Wohnqualität ist immens, gleiches gilt für Mietauslastung und Mietpreise. Die Ausstrahlungswirkung auf die Nachbarschaft ist ebenso fruchtbar."

Nachhaltig erfolgreiches Sanierungsprojekt der "Stäwog": Goethestraße 43
Nachdem Frau Dr. Ehbauer (Baustadrätin) die Grußworte für den Magistrat überbracht hatte, und einige der Eigentümer, deren Immobilien in der Modernisierungsfibel dargestellt sind, etwas zu ihren Projekten gesagt hatten, führte Herr Becker (Energiekonsens Bremerhaven, Leiter) in das Thema "Energieeinsparung" ein.


Frau Dr. Ehbauer (links, Baustadträtin) und Herr Lückehe
(rechts, Stäwog, Geschäftsführer - Sanierung Goethestraße 43)

Podiumsdiskussion - Foto links: Herr Janßen, Herr Borch (Malerinnung) Herr Becker
- Foto rechts: Herr Janßen, Herr Klonczinski (Innung Bauhandwerk), Herr Borch

Referat "Energieeinsparung" (Herr Becker, Energiekonsens Bremerhaven)

Dabei bezog er sich auf seine Erfahrungen mit der Sanierung seines eigenen Hauses im Bremer Stadtteil Gröpelingen. Sein Fazit: Wenn man anfangs an den verkehrten Stellen spart, zahlt man am Ende doppelt drauf.

Sein eindrucksvoller Beleg dafür war die Entwicklung der Energiebilanz seines Hauses. Seit er das Haus erwarb, notiert er in regelmäßigen Abständen die Verbräuche von Strom, Gas und Wasser. Trotz des Anstiegs der Energiepreise liegen seine Kosten dafür heute noch auf dem gleichen Level, wie zu Beginn der Sanierung, die sich insgesamt über viele Jahre hinzog. Ebenso wie seine Vorredner stellte er klar, dass es bei der Sanierung eines Altbaus darauf ankommt, langfristig zu denken und die Arbeiten in der richtigen Reihenfolge zu planen.

Anschließend folgte eine Podiumsdiskussion mit den Herren Klonczinski (Obermeister der Innung Bauhandwerk) und Borch (Obermeister der Malerinnung) zur Thematik "Sanierung von Altbauten".

Die differenzierten Fragen der Besucher an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion und an die Referenten sind Indizien dafür, wie groß das allgemeine Interesse am Thema "Altbausanierung" ist. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich mit anderen Besuchern, den Immobilieneigentümern und den Referenten über die Themen des Abends auszutauschen.


Nach Abriss einer Spekulationsruine: Aufwertung eines Altbaus mit Ständerbalkonen
Die Modernisierungsfibel ändert zwar nichts an den an einigen Stellen im Stadtbild des Viertels weiterhin unübersehbaren Spekulationsruinen, aber sie zeigt einen der zentralen Ansatzpunkte auf, mit denen ein Wandel - hin zu einer positiven Entwicklung des Goethe-Quartiers - eingeläutet werden kann. Darunter fallen sicher auch Neupauprojekte der Wohnungsbaugesellschaften "Gewoba" (Körnerstraße) und "Stäwog" (Stormstraße) auf Grundstücken, die ehemals durch dem Verfall preisgegebene Spekulationsruinen verschandelt wurden. Leider vermisse ich bei beiden Neubauprojekten die aus meiner Sicht notwendige Anpassung der Fassaden an die umgebende Bebauung zur Erhaltung des bestehenden gründerzeitlichen Stadtbilds.


Neubauten der Stäwog (links, Stormstraße) und der Gewoba (rechts, Körnerstraße)

Um hier nicht falsch verstanden zu werden: Neubauten dürfen - und sollen - als Neubauten erkennbar sein. Die heute übliche Flachdach/Quader-Architektur ist allerdings alles andere als eine gelungene Integration in die Umgebung. Dafür, dass es auch besser geht, gibt es - insbesondere auch im Goethe-Quartier - zahlreiche positive Beispiele.


Es geht auch anders: Perfekt an die Umgebung angepasste Neubauten im Goethe-Quartier
(Storm-/ Ecke Frenssenstraße, Potsdamer-/ Ecke Uhlandstraße und Goethestraße)

Der "Stäwog" kann man allerdings zugute halten, dass sie sich auch für den Erhalt und die Sanierung gefährdeter Gründerzeit-Altbauten einsetzt. Neben dem Eckhaus Goethestraße 43, das vor einigen Jahren einer aufwändigen Grundsanierung unterzogen wurde und ebenfalls in der Modernisierungfibel beschrieben wird, hat sie - bis auf eine - alle Wohnungen im Nachbarhaus Goethestraße 45 erworben und beabsichtigt das Gebäude ebenfalls von Grund auf zu sanieren.


Besucher des Themenabends mit Vorstellung der Modernisierungsfibel

Was immer du tun kannst
oder wovon du träumst –
fang damit an!


Johann Wolfgang von Goethe(Modersnisierungsfibel der ESG-Lehe)




(Quellen: Modernisierungsfibel der ESG-Lehe, Referate und Gespräche während des Themenabends des ESG-Lehe)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Jürgen,
vielen Dank für Deine stetige Unterstützung.
Gemeinsam sind WIR stark.
Bester Gruß Heiko

Anonym hat gesagt…

Hallo,

eine kleine Anmerkung...... die Stäwog hat auch die letzte Wohnung in der Goethestraße 45 käuflich erworben und ist nun alleinige Eigentümerin der Immobilie.
LG

Carlos

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